Lyriker liest Lyriker. Erwin Wenzel liest und empfiehlt Egon Günthers Birkenrindenschriften
Rezension zu "Birkenrindenschriften"
Unser Autor, Erwin Wenzel, dessen Debüt Deichgedanken. Der zweitgeteilte Himmel. Gedichte & Fotos im Herbst bei der Edition Zugvögel erscheint, empfiehlt aus Egon Günthers Birkenrindenschriften vier Gedichte. Suggestiv statt systematisch legt er sie anderen Lesenden ans Herz. Wir haben jeweils noch den Gedicht-Anfang zitiert.
“Offene Geheimnisse”, “Panische Zustände”, “Neu beginnen”, “Köhlerwissen” zeichnen Bilder in mir, die ein einziger Schrei sind. Das Bild von Edvard Munch “Der Schrei“ taucht vor meinem inneren Auge auf.
Ich frage mich, ob es einen Neubeginn gibt, ob die panischen Zustände Normalität sind, warum das Köhlerwissen nicht ausreicht für grundlegenden Veränderungen; Melancholie, gepaart mit Sarkasmus und versteckter Wut, illustriert mit rätselhaften Piktogrammen, Egon Günther rüttelt auf.
Erwin Wenzel, Juni 2026
“Offene Geheimnisse”, S. 99:
der schlüssel zur Seele
muss nicht offenbart werden:
er liegt auf der hand …
“Panische Zustände”, S. 85/86:
das alte land
pressen schwere himmel
mensch wie tier
verschlägt’s die sprache …
“Neu beginnen”, S. 70/71:
wie lange mag es nun
schon her sein
dass wir auszogen
allons! Mit whitman & kerouac
im herzen & ohne tornister? …
“Köhlerwissen”, S. 100/101:
heute bin ich mal
kein haltloser mensch
sondern ein herbstblatt
vom wind verweht ...