Nachrichten zu Oscar Wilde im März

Liebe Leser meines Blogs,

der Februar war bisher ein äußerst geschäftiger Monat mit einigen Überraschungen. Eine war die Gelegenheit, den Newsletter der Italienischen Oscar-Wilde-Gesellschaft durchzusehen, der auf Seite vier der Herbstnummer 2021 meine Ausgabe von The Soul of Man Under Socialism beim Elsinor Verlag neben Werken bekannter Wilde-Forscher aus verschiedenen Ländern enthält.

Während mir diese Neuigkeit von der Herausgeberin des Newsletter vor einigen Monaten bekannt gegeben wurde, konnte ich sie erst heute nachvollziehen. Zufällig kontaktierte mich vor etwas über einer Woche John Cooper, der Blogger von Oscar Wilde in America, mit ein paar Fragen zu dieser Webseite. Wir hatten einen interessanten Austausch, und ich sah mir auch seine Seite an, die er sowohl mit Verve als auch mit Leidenschaft betreibt, wobei es ihm darum zu tun ist, die Quellen von allem aufzudecken, was Wilde gesagt hat oder gesagt haben soll wie den berühmten Ausspruch: «Ich habe nichts zu verzollen, außer meinem Genie.» Angeblich getätigt beim Zoll bei der Ankunft in New York Anfang 1882, fast genau vor 140 Jahren also, kann nicht bewiesen werden, daß der Spruch überhaupt von Wilde ist. Er und Robert Ross könnten ihn sich ausgedacht haben. Doch lesen Sie selbst:

oscarwildeinamerica.blog

Es kommt nicht selten vor, daß ich zu meinen Aktivitäten zu Oscar Wilde an einem Tag zwei Briefe oder E-Mails von verschiedenen Personen erhalte. Das war auch Anfang Januar der Fall, als mir eine Freundin aus Leer einen netten Brief mit Photokopien aus einem Buch über Pariser Cafés sandte, in denen Wilde in den 1890ern bis 1900 verkehrt zu haben scheint. Interessanterweise sind nicht alle dieser Cafés schon Wildes bekannteren Biographen aufgefallen. Also könnte auch hier noch manche Geschichte erzählt werden.

Mit gleicher Post erhielt ich die Besprechung meiner Wilde-Biographie und meiner editierten Übersetzung von The Picture of Dorian Gray aus dem Jahr 2000. Der Autor hatte diesen Text ganz vergessen, während ich es ebenso anregend fand zu lesen, was er über meine neue Einleitung zur Biographie zu sagen hatte, da er großzügig von den Anmerkungen in der Originalausgabe zur Wilde-Rezeption in Deutschland Gebrauch gemacht hatte, um den eigenen Artikel interessanter zu machen. Beim Schreiben der Wilde-Biographie lernte ich von einem weiteren literarischen Freund, in Heidelberg ansässig, der einst Journalist gewesen war, ehe er sich auf das Publizieren wissenschaftlicher Editionen von Kleist und Kafka verlegte, daß man als Journalist anders zitiere denn als Wissenschaftler. Man nenne eben nicht alle Quellen. Über zwanzig Jahre später jedoch will ich meinen Standpunkt zu Wilde auf passende Weise erklären, da ich ja seit 2011 an der Veröffentlichung einer Buchreihe mit Titeln von und zu Wilde auf Deutsch und Englisch arbeite, wozu seit 2015 noch ein zweisprachiger Kalender kam. Dessen Titelseiten finden sich nun auf dieser Webseite, und ich kann Ihnen sagen, daß die neue Ausgabe für 2023 bereits auf dem Weg ist, während eine Neuedition in Schwarzweiß des «Kalenders für jedes Jahr» als «Geburtstagskalender» ebenso auf dem Weg in die Druckerei ist wie der gleiche Text mit Farbcollagen Ulrich Hoepfners. All diese Kalender werden verkauft, um die Erinnerungsarbeit mit Zeitzeugen und ihren Nachkommen an meiner Schule, dem Ulrichsgymnasium Norden, zu fördern.

Tanya Josefowitz, deren Name schon mehrfach in diesem Blog mit dem Wildes verbunden war, hat nicht nur das Memoir I Remember verfaßt über die Flucht der Familie aus Nazi-Deutschland im Jahr 1938, sie hat auch über ihren Vogel geschrieben: Capinero. Dieses Buch wird bald in zweisprachiger Ausgabe im Elsinor Verlag erscheinen.

Forsche ich über Tanya Kagan Josefowitz, denn so ist sie in Künstlerkreisen bekannt, entdecke ich mehr und mehr Gemeinsamkeiten zwischen ihr und Oscar Wilde. So entwarf sie in den 1940ern Mode, als sie in New York war, und so begann auch Wilde in Amerika 1882 seine Laufbahn als Modeikone, die über Kleidung schrieb und sprach – wie ich aus dem Oscar Wilde in America-Blog erfahre. Also setzen wir dieses Abenteuer nun fort, was es mir sehr leicht machte, am Entwurf für das Cover von Capinero mitzuwirken, denn sich auf Farben einzulassen und Stoffe wie Leinen und Leder zu berühren ist etwas, was beide Künstler nicht nur in den darstellenden Künsten taten, sondern auch im je eigenen Leben, was Sie auch selbst sehen können, wenn sie nur «Tanya Josefowitz video» in Ihren Browser eintippen. Sie finden dort dann ein privates Video und brauchen nur den Namen des größten deutschen Seehafens einzugeben, auch Ausgangspunkt für viele Emigranten, oder mich zu kontaktieren, um mehr über diese sehr interessante Künstlerin und ihr Leben in Deutschland, Europa und Amerika herauszufinden.

Mit den besten Wünschen,
bleiben Sie gesund und munter,

Jörg W. Rademacher

P.S. Bezogen auf Wilde und Kleidung, nehmen Sie sich Zeit für die Kalendertexte dieses Monats. Zwar stammen sie von Gustave Flaubert, doch zeigen sie, woher Wildes Sinnlichkeit auch kommen könnte.

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