Blog Artikel deutsch (3): Rezensionen 2017 im Urtext

 

Inhalt:

Louis Begley, „Ein Leben für ein Leben“

Mathias Enard, „Kompass“

Georg Veit, „Bergers Mord. Eine historische Criminalerzählung“

Graham Swift, „Ein Festtag“, englisch: „Mothering Sunday“

Robert Menasse, „Die Hauptstadt. Roman.“

Hao Jinfang, „Peking falten. Erzählung.“

Wolfgang Kellner, „Verfolgung und Verstrickung. Hitlers Helfer in Leer.“

 

 

Louis Begley: Ein Leben für ein Leben. Suhrkamp. ISBN: 978-3-518-46690. 300 Seiten. 16,99 Euro.

„Ein Leben für ein Leben“ ist der 12. Roman des 83-jährigen Amerikaners Louis Begley, ehemals Anwalt. Es ist die Fortsetzung des Thrillers „Mörder, zeig dich“. Beide eignen sich für schlaflose Nächte, entschädigen für Zahn- und Ohrenschmerzen, sind aber nichts für schwache Nerven und vor allem nichts für Fans amerikanischer Rechtspopulisten.

Die Handlung von „Mörder, zeig dich“ endet 2012, der Showdown von „Ein Leben für ein Leben“ findet in einem Penthouse der Park Avenue in Manhattan im November 2013 statt. Nicht alles klingt heute fiktiv.

Der Icherzähler beider Romane, Hauptmann Jack Dana, aktiv im Afghanistan-Krieg, ist nach einem Jahr in Venedig zurück, um den Tod seiner ehemaligen Freundin Kerry Black zu rächen. Sie mußte wie sein Onkel Harry Dana sterben, weil sie als Anwälte gewagt hatten, ihren Auftraggeber, Abner Brown, einen Milliardär und Rechtspopulisten aus Texas, zur Selbstanzeige seiner kriminellen Machenschaften aufzufordern.

Jack Dana, zivil zum Bestsellerautor geworden, geht in jedem Roman den Morden an seinen Nächsten auf den Grund. Nebenbei erzählt er in aufregenden Szenen von reich und arm, jung und alt, schwarz und weiß, kriminell und legal im heutigen Amerika. Unbedingt lesen und dann noch mehr Begley lesen! Ich habe vier Monate lang nicht mehr aufgehört, ihn zu lesen.

Jörg W. Rademacher

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Beide Bücher hatte ich im Frühjahr 2017 gerade im Original gelesen, als ich die Anfrage erhielt, ob ich nicht Rezensionen verfassen wolle. Als einen Zweig meiner Schreibarbeiten mochte ich das gerne tun, zumal ja die Korrekturen an der Schule durchaus leichter von der Hand gehen, wenn man sein Urteil auch an Werken anderen Niveaus und anderer sprachlicher Gestaltung weiterhin übt. Auch fand ich es durchaus anziehend, nach mehreren Jahren Pause wieder einmal für die Tagespresse aktiv zu sein und dennoch Texte zu verfassen, die man auch nach Jahren noch lesen mag.

Mathias Enard: Kompass. Hanser Berlin. ISBN: 978-344653155 432 Seiten, 25 Euro.

„Kompass“, ein Ichroman des 45-jährigen, in Barcelona lebenden französischen Autors Mathias Enard, braucht Leser, die 24 Stunden wachen. Denn er spielt in einer einzigen Nacht im Wien der jüngsten Zeit. Zugleich ist es der Rückblick des auf den Tod kranken schlaflos über sein Leben sinnenden Musikwissenschaftlers Franz Ritter, der für den Orient brennt. Im Osten geht die Sonne auf, wird es hell: ex oriente lux, wie es auf Latein heißt. Deshalb ist Wien als östlichste Hauptstadt von Europas Westen auch das Tor zum Orient, heute noch, fast ein Jahrhundert nach dem Ende des Kaiserreichs. Im wiederholt an Orte im Nahen und Mittleren Osten und in andere Zeiten ausgreifenden Dialog mit Sarah durchlebt Franz Ritter nicht nur, aber auch ihre Liebes- als Frustgeschichte im Kontext der literarischen und musikalischen Vorstellungen vom Orient. Wie Marcel Proust in seinem Pariser Korkzimmer, der dort seinen vielbändigen Roman über die Pariser Gesellschaft schreibt, liegt Ritter im Wiener Bett, nutzt zeitgemäß den PC, um Sarahs E-Mails zu lesen. Zumeist indes entführt er sich und seine Leser/Zuhörer nach Teheran oder Istanbul, in österreichische Schlösser, nach Paris, wo er manches entdeckt, stets suchend, was sich ihm und Sarah entzieht, weil sie den Umweg über den Orient gewählt haben.

Jörg W. Rademacher

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Den Vorschlag, diesen Roman zu besprechen – einen der wenigen überhaupt in den drei Jahren meiner Tätigkeit – des Redakteurs nahm ich gern auf, obwohl es im hektischen Frühjahr sehr lange dauerte, dieses Buch überhaupt zu lesen. Danach entschied ich, für diese Rezensententätigkeit keine derart zeitaufwendigen Romane mehr lesen zu wollen. Denn so viel war damals schon klar, mehr Platz im Blatt würde es für die Literaturseite auf keinen Fall geben.

Georg Veit: Bergers Mord – Eine historische Criminalerzählung. Elsinor-Verlag. ISBN: 978-3-942-78811-3. 140 Seiten, 12,99 Euro.

Zum 225. Geburtstag der Landesbibliothek Oldenburg im Jahr 2017 verlohnt es, „Bergers Mord. Eine historische Criminalerzählung“ zu lesen. Georg Veit, Altphilologe und Lehrer, hatte sein Referendariat in Leer absolviert und fand Gelegenheit, in der Landesbibliothek Oldenburg zu forschen und hinter die Kulissen zu schauen.

So entstand schließlich „Bergers Mord“. Veit entfaltet aus Sicht des mutmaßlichen Täters mit großer Liebe zu sprachlichen wie lokalen Details die Geschichte des Mordes am Bibliotheksdirektor Dr. Merzdorf. Der Hilfsschreiber Berger enthüllt uns seine an Selbstvergessenheit und Gewissensbissen krankende Seele.

Die an vier Tagen im März 1877 spielende Handlung bezieht indes das Vorleben der Figuren ebenso ein wie die Bibliotheksannalen bis hin zum Tod aller Hauptgestalten. Dabei werden authentisch wirkende Informationen im Text eigens typographisch abgesetzt. Auch erinnert ein als Forscher deklarierter Erzähler regelmäßig daran, daß hier von Erfundenem die Rede ist. Die Pointe, ein Übersetzungsfehler Bergers im Umgang mit der lateinischen Sprache, ist bei weitem nicht der einzige zum Schmunzeln anregende Aspekt dieses lesenswerten Romans, der das Wilheminische Kaiserreich, dessen Sprache und Denken sowie das Oldenburg des 19. Jahrhunderts lebendig macht.

Jörg W. Rademacher

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Schon im Jahr 2012 erschienen, war mir dieser Roman durch die Buchpremiere in der Landesbibliothek Oldenburg im Oktober desselben Jahres durch den Autor selbst nahe gebracht worden. Und mit dem Jubiläum der Bibliothek ergab sich Jahre später eine günstige Gelegenheit, auch Leeraner Lesern dieses Werk vorzustellen, zumal es tatsächlich in Leer verfaßt worden war. Doch für solche Details war naturgemäß kein Platz in der Rezension. Auch nicht dafür, daß es 2013 fast zu einer Teilnahme des Autors an der Initiative „Leer liest“ gekommen war, bei der ich selbst einen „Literarischen Salon“ ausgerichtet hatte, der auf Grund des arktisch kühlen Wetters am 23. April 2013 im Taraxacum-Café endete.

Graham Swift: Ein Festtag. Dtv. ISBN: 978-3-423-28110-2. 144 Seiten, 18,99 Euro.

Der Kurzroman „Ein Festtag“, englisch: „Mothering Sunday“ ist von Susanne Höbel einfühlsam, stilsicher und ebenso präzise wie lyrisch sensibel übersetzt worden. Nur die starken Konjunktivformen hätte sie öfter wählen sollen, statt die „würde“-Form zu nutzen. Die Geschichte spielt am 30. März 1924, als Jane Fairchild, Waise, Hausmädchen in Beechwood, erstmals mit ihrem Liebhaber Paul in dessen Zimmer in Upleigh, Berkshire, zusammen ist. Es ist auch ihre letzte Begegnung, denn in zwei Wochen soll er heiraten. Er stirbt am Steuer. Zwischen Erleben und Erinnern Jahrzehnte später wechselnd, zeigt der Roman, was aus dem Hausmädchen wurde, das Jungen-Romane las: eine berühmte Autorin, und was sie seither begleitet hat: einmal nackt durch das Herrenhaus gewandelt zu sein und die Bibliothek besucht zu haben. Graham Swift läßt uns aber auch teilhaben an der feinen englischen Gesellschaft kurz nach dem I. Weltkrieg, als oft die Söhne und damit die Zukunft aus den Familien verschwunden waren, weder Pferde noch Diener unterhalten werden konnten und der Aufstieg eines Dienstmädchens wie Jane in höhere gesellschaftliche Klassen zwar noch nicht die Regel war, sich aber an solch einem Tag bereits abzeichnete. Ein sorgsam gebauter und unbedingt zum Wiederlesen geeigneter Roman.

Jörg W. Rademacher

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Genau erinnere ich mich, diesen Autor schon 1993 in einem Oberseminar der Universität Münster mit dem Titel Waterland erstmals erlesen und für ausgesprochen gut befunden zu haben. Auch Last Orders, deutsch: Letzte Runde, habe ich mit Begeisterung gelesen. Außerdem ist Graham Swift, wie ich jetzt erst begriffen habe, einer der wenigen Autoren aus England, bei dem ich eine vergleichbare Tiefe der Einsicht in Geschichte und Gegenwart seines Landes und zugleich Distanz von den Dingen dort erkenne, die mich an irischen Autoren immer so fasziniert hat. Buchhändler in der Mühlenstraße in Leer hatten mich auf diesen Titel hingewiesen, sich gewünscht, ihn in der Zeitung besprochen zu sehen, weil sie auch anderen Werken als den üblichen Kriminalromanen Aufmerksamkeit wünschten. Nicht zuletzt hatte Susanne Höbel wie ich im Mai 1996 an einem Seminar zur Übersetzungskritik in der Villa Waldbertha in Feldafing bei München teilgenommen. Den meisten der Teilnehmenden bin ich danach nur noch in Form von Medienberichten oder in Gestalt der von ihnen verfaßten Übersetzungen begegnet.

Ein Schwein erregt Brüssel

Robert Menasse: Die Hauptstadt. Roman. Suhrkamp.ISBN: 978-3-518-42758-3. 460 S. 24,00 Euro.

Der mit dem Deutschen Buchpreis 2017 ausgezeichnete Roman erzählt die Geschichten eines Auschwitz-Überlebenden, eines Mörders, eines Polizisten sowie die mehrerer EU-Beamter. Alle leben sie in Brüssel. Alle können sie das, was die im Titel genannte Hauptstadt ausmacht, nicht begreifen. Auch der Leser, der alle Perspektiven kennenlernt, kann nicht alles durchdringen, so daß die am Schluß angekündigte Fortsetzung vielleicht nicht nur ein Gag des Autors ist.

Wie sehr alles zusammenhängt, in Brüssel wie in Europa, zeigt Menasse schon in dem 2012 publizierten Prosaband ,,Der europäische Landbote“, der mehr ist als der Erfahrungsbericht eines Schriftstellers, der die Europäische Kommission in Brüssel besucht hat.

Ja, hier skizziert Menasse bereits die Hauptlinien des geplanten Romans und benennt Auschwitz als Gründungsmythos der europäischen Einigungsbewegung. Allein es fehlt noch der rote Faden. Den bietet erst das Schwein, das in der Handlung ständig wiederkehrt und schließlich ganz Brüssel erregt. Es taucht leibhaftig am Tatort ebenso auf wie in der Phantasie mancher Romanfigur. Da es an verschiedenen Orten gleichzeitig gesichtet wird, erlangt das Schwein Symbolcharakter: für die Romanhandlung wie für das Europa, dessen Krise Menasse sowohl treffend beschreibt als auch anschaulich erzählt.

Jörg W. Rademacher

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Dies ist ein preisgekrönter Roman, dessen Verfasser ich schon 1995 in Münster bei einer Lesung erlebt hatte, den ich mir aus aktuellem Anlaß in einer inzwischen an einen Filialisten veräußerten Buchhandlung in Leer selbst gekauft hatte. Darauf, daß mir jemand einen solchen Titel bestellt, mochte ich angesichts der Brisanz des Themas nicht noch warten, zumal ich mich nach Abschluß der Lektüre mal wieder in Wien aufhielt, wo gerade die Nationalratswahlen ein bestürzendes Ergebnis hervorgebracht hatten, was sich durch manche Erzählung meines Wirtes in Niederösterreich aus vier Jahrzehnten in Österreich und auf mehreren Kontinenten symptomatisch eher denn repräsentativ bestätigte. In Wien erwarb ich auch das zweite, in der Rezension genannte Buch und brachte so beide Werke miteinander in einen inhaltlichen Zusammenhang. Erst jetzt gibt mir das französisch zitierte Motto des Romans «Träumen, das ist Glückseligkeit; das Leben bedeutet zu warten.» von Victor Hugo noch einmal zu denken, denn mit diesem französischen Schriftsteller wie seinem Enkel Georges Victor-Hugo habe ich als Biograph, Übersetzer und Herausgeber sowie Deuter von Zeichnungen aus dem I. Weltkrieg etliche Jahre zugebracht, so daß mir auch all die Autoren nahe sind, die einen von beiden zitieren. Und Großvater wie Enkel verbinden entscheidende Momente mit Brüssel. Victor Hugo ging dorthin ins Exil, der Enkel wurde am 16. August 1868 in der belgischen Hauptstadt geboren.

Peking falten

Hao Jingfang: Peking falten. Erzählung. Elsinor. ISBN: 978-3-942788-38-0. 84 S. 13,00 Euro.

Das Umschlagfoto macht neugierig auf die Faltung Pekings. Denn wie eines der Fahrgeschäfte beim Leeraner Gallimarkt ragt Peking in die Lüfte. Hierzulande ist von den Umweltbelastungen der Hauptstadt Chinas die Rede. Ob und inwieweit die chinesische Gesellschaft belastet und zutiefst gespalten ist, zeigt diese preisgekrönte Science-Fiction-Novelle der jungen Autorin Hao Jingfang, die Physik und Wirtschaft studiert hat

In fünf knappen Kapiteln durchmißt der Protagonist Lao Dao alle drei Sektoren Pekings. Er soll eine Liebesbotschaft vom dritten in den ersten Sektor bringen. Das ist verboten, und die wenigen Übergänge sind scharf bewacht. Also geht er große Risiken ein, kann aber hoffen, so seiner kleinen Tochter das zu ihrer Bildung nötige Geld zu beschaffen.

Durch Lao Daos Botengang erfahren die Leser, wie die Menschen in den Sektoren abgeschottet voneinander Tag und Nacht durchleben. Passenderweise arbeitet er im dritten und ärmsten Sektor bei der Müllentsorgung.

Da in China scharfe Zensur herrscht, ist Science Fiction, wie Kai Strittmatter im Vorwort schreibt, oft die einzige Möglichkeit, aktuelle gesellschaftliche Fragen einer öffentlichen Diskussion zu stellen. Für Leser in Europa ergibt sich so eine sonst kaum mögliche Binnensicht auf das heutige China. Informativ und lesenswert!



Dieses Buch hat mir der Verleger zur Besprechung ans Herz gelegt, nicht zuletzt weil es auch schon in anderen Medien rezensiert worden war und weil es in seiner Kürze sich für die sehr geraffte Präsentation besser eignet als mancher «Wälzer». Bei der Begegnung mit einer jungen Chinesin, die in Niedersachsen ein Auslandsjahr verbrachte, mochte ich dennoch nicht ein Exemplar aus der Tasche ziehen, um sie eventuell später zu fragen, was sie davon halte – um sie nicht in Verlegenheit zu bringen, schließlich ergab sich aus den Gesprächen schon die eklatante Diskrepanz zwischen der Ideologie der «Ein-Kind-Ehe» und der Tatsache, daß diese Jugendliche eine jüngere Schwester hatte, ohne daß es zu Sanktionen für die Familie gekommen war.

Dem Führer entgegen arbeiten“ in Leer

Wolfgang Kellner: Verfolgung und Verstrickung. Hitlers Helfer in Leer. Tredition. ISBN: 978-3-7439-6806-6. 158 S. 15,00 Euro.

Schreibt ein Ex-Lokalpolitiker ein Buch, legt er laut Vorwort dieser Studie meist „Erinnerungen an die eigene Amtszeit“ oder einen Lobgesang auf die eigene Stadt vor. Dieser Fall ist anders.

Denn nach dem Studium lokalhistorischer Akten und dank seines gelebten Interesses am Verbund von Geschichte und Politik hat Kellner ein spannendes Buch über die Verstrickung der lokalen Amtsträger in die Verbrechen der NS-Zeit geschrieben. Infolge akribischer Recherchen in Archiven und nach Gesprächen mit Zeugen und deren Nachkommen zeigt sich, daß die Berliner Vorgaben für den Abtransport mißliebiger Regimekritiker und „Querulanten“ von Landrat Conring wie Bürgermeister Drescher vorauseilend übertroffen wurden.

Diese Männer hatten das Prinzip, „zu versuchen, im Sinne des Führers ihm entgegenzuarbeiten“ ‒ eine Aussage eines NS-Führer, das zum Leitmotiv der Hitler-Biographie Ian Kershaws wurde ‒ so verinnerlicht, dass Stadt und Landkreis Leer überdurchschnittlich viele NS-Gegner ins Konzentrationslager transportierten. Dies geschah mittels der auch vor 1938 schon fahrplanmäßig verkehrenden Deportationszüge. Zwar zitiert Kellner dieses Wort eines Staatssekretärs nicht, aber seine professionell geschriebene Studie belegt, wie wichtig solche Werke für andere Städte Ostfrieslands wären. Die aktuelle politische Lage erfordert Aufklärung!

Jörg W. Rademacher

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Dieser Titel versetzte mich zwanzig Jahre zurück in die Zeit, da ich die in der Rezension genannte Biographie ins Deutsche übersetzte und damit – ohne es damals zu wissen – in dem Ringen mit Autor und Verlag um die passende Wiedergabe des nicht unproblematischen englischen Originals das Ende meiner rein freiberuflichen Phase einläutete. Das Ergebnis – ein Standardwerk, das in vielen Schulbüchern zitiert wird, übrigens mit Angabe der Übersetzernamen – kann sich noch heute sehen lassen, denn an Kershaws Biographie und speziell seinem Insistieren darauf, daß dem «Führer entgegengearbeitet» wurde, im Sinne, daß dessen Absichten vorauseilend umgesetzt wurden, ohne auf ausdrücklich Befehle zu warten, kommen heutige Historiker nicht vorbei. Bei Kellner jedoch fehlt der Hinweis auf die Übersetzer. In der Zeitung standen sie auch nie in den bibliographischen Angaben. Mir kommt dabei der Vergleich mit dem Kontrabaß im Orchester in den Sinn, dessen Fehler oder dessen Fehlen bemerkt wird, während seine Anwesenheit oft mit Schweigen übergangen wird. Ähnlich dem Schiedsrichter beim Fußball ist auch der Übersetzer unverzichtbar, obwohl er immer noch nicht überall Würdigung erfährt für sein Wirken zum Ruhm des Autors.

 

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